ascaron.de Spielautomaten & Spielgeschichte

Start · Videospielgeschichte · Das erste Arcade-Videospiel

Markteintritt

Das erste Arcade-Videospiel

1971, und warum es scheiterte

Der erste Versuch, ein Videospiel gegen Geld aufzustellen, ist wirtschaftlich gescheitert, und zwar aus einem Grund, der sich damals nicht in der Technik zeigte, sondern an der Theke.

Jahr
1971
Rechner im Gerät
keiner
Erfolg
nein
Nachfolger
1972
Zwei Personen von hinten vor einer Reihe beleuchteter Spielautomaten in einer Spielhalle; die bemalten Frontscheiben und Bildschirme leuchten gelb und türkis.
Der Aufstellort ist der eigentliche Auftraggeber: was hier nicht in Sekunden verständlich ist und in Minuten endet, verdient die Fläche nicht, auf der es steht.

01 Was 1971 aufgestellt wurde

Das erste gegen Münzen betriebene Videospiel war eine Umsetzung des Weltraumkampfs, der neun Jahre zuvor an einem Forschungsrechner entstanden war. Zwei Schiffe, Trägheit, Drehen und Schießen, dazu eine Zeitbegrenzung statt eines Endes durch Abschuss.

Aufgestellt wurde es dort, wo Münzautomaten damals standen: in Bars, Spielhallen und Vergnügungsbetrieben. Das Publikum bestand also nicht aus Menschen mit Zugang zu Rechenzentren, sondern aus Gästen, die zwischen zwei Getränken eine Münze einwarfen.

Etwa in derselben Zeit stand an einer Universität ein zweites münzbetriebenes Gerät, das den Weltraumkampf auf einem echten Rechner ausführte. Es blieb ein Einzelstück, weil der Rechner mehr kostete als ein solcher Automat je einnehmen konnte, und genau diese Rechnung erklärt die Bauweise des ersten.

Warum der erste Automat scheiterte, der zweite nicht
  1. Das Spielprinzip war geerbtÜbernommen wurde der Weltraumkampf von 1962: Trägheit, Drehen, Schub. Reizvoll für jemanden mit Zeit zum Üben.
  2. Der Automat gibt keine ZeitNach einer Münze muss die Regel in Sekunden verstanden sein. Trägheit widerspricht dem, was der Körper erwartet.
  3. Die Anleitung war der BeweisDas Gerät brauchte eine Bedienungsanleitung an der Front. Ein Automat, der eine braucht, hat sein Problem schon dokumentiert.
  4. Der Nachfolger strich allesZwei Schläger, ein Ball, zwei Ziffern. Kein Text, keine Anleitung, keine Physik ausser Abprallen.
Der Unterschied zwischen beiden Geräten ist keine technische Verbesserung. Es ist eine Streichung.

02 Warum kein Rechner im Gehäuse steckte

Ein Automat muss sich aus Münzen bezahlen. Bei einem Gerätepreis, der dem eines Kleinwagens entspricht, und einem Einsatz von wenigen Cent je Spiel ist die Rechnung schnell gemacht: ein Rechner im Gehäuse war ausgeschlossen.

Die Lösung war eine fest verdrahtete Schaltung aus einzelnen Logikbausteinen. Sie führt kein Programm aus, sondern erzeugt das Bild und die Spielregeln unmittelbar aus der Verschaltung. Ändern lässt sich daran nichts, ohne die Verdrahtung zu ändern.

Diese Bauweise blieb für die ersten Jahre der Spielhalle die Regel. Sie erklärt, warum die frühen Automatenspiele so aussehen, wie sie aussehen: was eine Schaltung darstellen kann, ist eng begrenzt, und jedes zusätzliche Bildelement kostet Bauteile.

03 Das Spielprinzip passte nicht zur Münze

Am Rechner war die Trägheit der Reiz des Spiels. Am Automaten wurde sie zum Hindernis. Wer eine Münze einwirft, erwartet, dass ein Schiff dorthin fährt, wohin er drückt, und dass es anhält, wenn er loslässt. Genau das tat es nicht.

Der stärkste Beleg dafür ist, dass das Gerät eine Bedienungsanleitung an der Front trug. Ein Automat, der erklärt werden muss, hat sein Problem bereits dokumentiert: die Erklärung steht zwischen der Münze und dem Spiel.

Hinzu kam die Konkurrenz im Raum. Neben Flipperautomaten mit Kugeln, Klängen und Lichtern wirkte ein Bildschirm mit zwei weißen Umrissen unauffällig, und was auffällt, entscheidet an einem Standort mit begrenztem Platz darüber, welches Gerät bleibt.

04 Was der Nachfolger anders machte

Ein Jahr später kam das Gerät, das die Spielhalle tatsächlich veränderte, und es machte nichts besser, sondern alles weniger. Zwei senkrechte Schläger, ein Ball, eine gestrichelte Mittellinie, zwei Ziffern. Die einzige Anweisung war eine einzige Zeile.

Damit war die Regel ohne Erklärung sichtbar. Der Ball kommt, der Schläger wird bewegt, der Ball geht zurück oder nicht. Es gibt nichts vorauszudenken und nichts zu lernen, und jede Sekunde Spielzeit ist bezahlte Zeit.

Was diese Reduktion technisch und wirtschaftlich bedeutete, steht auf der Seite zu diesem Automaten. Hier ist nur der Vergleich wichtig: das erste Gerät war das anspruchsvollere und das schwächere Produkt.

Die zwei ersten Münzgeräte im Vergleich
Merkmal19711972
SpielprinzipWeltraumkampf mit Trägheitzwei Schläger, ein Ball
Anleitung nötigja, an der Fronteine Zeile
Eingabenvier je Spielereine je Spieler
Verständnisnach Übungsofort
Wirtschaftlicher Erfolgneinja

05 Was das Scheitern gezeigt hat

Die Lehre dieses ersten Automaten ist nicht, dass anspruchsvolle Spiele scheitern. Sie ist, dass die Aufstellform mitbestimmt, welches Spiel funktioniert. Am Münzautomaten ist die Zeit bis zum Verstehen der wichtigste Wert, im Wohnzimmer ist sie nahezu bedeutungslos.

Genau diese Trennung prägt die folgenden Jahrzehnte. Automatenspiele werden auf sofortige Lesbarkeit und kurze Runden zugeschnitten, Heimspiele auf Dauer und Vertiefung. Dass beide dieselbe Technik benutzen, verdeckt, dass sie verschiedenen wirtschaftlichen Regeln folgen.

Für die Frage nach dem ersten Videospiel liefert dieses Gerät ein weiteres Kriterium: den Verkauf. Wer ihn verlangt, landet nicht 1962, sondern hier, und muss dafür in Kauf nehmen, dass das erste verkaufte Exemplar der Gattung sich nicht verkaufte.

06 Wie ein Automat sein Geld verdient

Die Wirtschaftlichkeit eines Münzgeräts hängt an einer einzigen Größe: wie viele bezahlte Durchläufe an einem Tag stattfinden. Bei einem festen Preis je Spiel ist das eine Frage der Dauer, und daraus folgt fast die gesamte Gestaltung der frühen Automatenspiele.

Eine kurze Runde ist besser als eine lange, solange sie nicht zu kurz ist, um befriedigend zu sein. Ein Spiel, das gut gespielt beliebig lange läuft, ist wirtschaftlich ein Problem, weshalb Automatenspiele Mechanismen bekamen, die den Schwierigkeitsgrad mit der Zeit anheben: nicht als Gestaltungsidee, sondern als Begrenzung der Spieldauer je Münze.

Der Standort setzt die zweite Bedingung. Ein Gerät belegt Fläche, die auch ein anderes Gerät einnehmen könnte, und wird nach Einnahme je Quadratmeter beurteilt. Deshalb entscheidet nicht die Qualität eines Spiels darüber, ob es aufgestellt bleibt, sondern der Vergleich mit dem Gerät daneben, und in dieser Rechnung verlor das erste Videospiel von 1971 gegen Flipperautomaten, die dieselbe Fläche besser nutzten.

07 Weiterlesen

08 Häufige Fragen

Welches war das erste Arcade-Videospiel?

Das erste gegen Münzen aufgestellte Videospiel kam 1971 und war eine Umsetzung des Weltraumkampfs von 1962. Wirtschaftlich blieb es erfolglos.

Warum steckte kein Rechner im Gerät?

Weil ein Automat sich aus Münzen bezahlen muss. Bei einem Rechnerpreis in der Größenordnung eines Kleinwagens und wenigen Cent je Spiel war das ausgeschlossen, die Lösung war eine fest verdrahtete Schaltung.

Warum ist es gescheitert?

Weil das Spielprinzip Übung verlangt und ein Münzautomat sofortiges Verständnis verlangt. Das Gerät trug eine Bedienungsanleitung an der Front, und die stand zwischen der Münze und dem Spiel.

Was machte der Nachfolger 1972 anders?

Er strich fast alles: zwei Schläger, ein Ball, zwei Ziffern, eine Zeile Anweisung. Die Regel war ohne Erklärung sichtbar, und jede Sekunde Spielzeit war bezahlte Zeit.