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Grenzfall

Live-Roulette

Die Rechnung und die Zuständigkeit

Bei diesem Spiel lässt sich der Vorteil des Anbieters exakt ausrechnen, nicht schätzen. Er hängt an einem einzigen Fach, und wer das einmal nachrechnet, braucht keine Strategieempfehlung mehr.

Fächer
37
Eine Zahl zahlt
35:1
Fehlbetrag
2,70 %
Bundesweit erlaubt
nein
Makroaufnahme des Randes eines Roulettekessels: polierte Holzschale, Messingstege zwischen den Fächern, ein Fach im Fokus, die übrigen fallen in Unschärfe. Keine Zahlen sichtbar.
Siebenunddreißig Fächer, Auszahlung 35:1, es fehlt genau eine Einheit auf siebenunddreißig Versuche. Der ganze Vorteil steckt in einem einzigen Fach.

01 Die Rechnung in einem Satz

Ein Kessel in der europäischen Form hat siebenunddreißig Fächer: die Zahlen eins bis sechsunddreißig und die Null. Ein Einsatz auf eine einzelne Zahl trifft demnach in einem von siebenunddreißig Fällen.

Ausgezahlt wird 35:1, der Einsatz kommt zurück, man hält also sechsunddreißig Einheiten. Fair wäre siebenunddreißig. Es fehlt genau eine Einheit auf siebenunddreißig Versuche, und das sind 2,70 Prozent des Einsatzes.

Dieselben 2,70 Prozent ergeben sich bei den einfachen Chancen wie Rot oder Schwarz, weil dort achtzehn von siebenunddreißig Fächern gewinnen und im Gegenzug eins zu eins ausgezahlt wird. Der Vorteil ist über alle Einsatzarten hinweg gleich, und er sitzt vollständig in der Null.

Wo der Hausvorteil sitztFÄCHER37EINE ZAHL ZAHLT35:1FEHLBETRAG JE EINSATZ2,70 %Die gelbe Null ist der ganze Unterschied.
Bei 37 Fächern und einer Auszahlung von 35:1 fehlen genau zwei Einheiten. Geteilt auf 37 sind das 2,70 Prozent je Einsatz – der gesamte Vorteil steckt im gelben Fach.

02 Warum keine Einsatzfolge daran etwas ändert

Weil jeder Einsatz denselben Fehlbetrag von 2,70 Prozent trägt, ändert die Reihenfolge oder Größe der Einsätze am Erwartungswert nichts. Verdoppeln nach einem Verlust verschiebt die Verteilung der Ergebnisse. Viele kleine Gewinne, seltener ein großer Verlust –, nicht den Erwartungswert.

Auch die Beobachtung vergangener Zahlen hilft nicht. Der Kessel hat kein Gedächtnis, und eine Serie von acht Mal Rot ändert die Aussicht auf den nächsten Wurf nicht. Das ist dieselbe Eigenschaft, die auf dieser Seite an der Risikoleiter beschrieben wird: die einzelnen Ereignisse hängen nicht zusammen, also multiplizieren sich die Aussichten und addieren sich nicht.

Eine Fassung mit zwei Nullen, wie sie in anderen Märkten vorkommt, hat achtunddreißig Fächer und einen Fehlbetrag von etwa 5,26 Prozent. Also fast das Doppelte. Das ist der einzige Punkt, an dem die Wahl des Tisches tatsächlich einen messbaren Unterschied macht.

Fehlbetrag je Einsatz nach Kesselform
FormFächerFehlbetrag je Einsatz
Eine Null (europäisch)372,70 %
Zwei Nullen38ca. 5,26 %
Drei Nullen39ca. 7,69 %

03 Warum das Spiel nicht unter die bundesweite Erlaubnis fällt

Die bundesweite Erlaubnis deckt virtuelle Automatenspiele und Online-Poker ab. Roulette gehört zu den Tischspielen, und die bleiben Sache der einzelnen Länder, die sie nur in engen Grenzen und teils allein für ihre eigene Spielbank zulassen.

Daraus folgt etwas Konkretes: ein Anbieter mit bundesweiter Erlaubnis für Automatenspiele kann Live-Roulette nicht führen, gleich wie groß und wie lange er am Markt ist. Es fehlt ihm nicht der Wille, sondern die Erlaubnisgrundlage. Diese Erlaubnis kann die Spielart nicht erfassen.

Wer in deutscher Sprache Live-Roulette beworben sieht, sieht daher entweder ein Angebot einer Landesspielbank im Rahmen ihrer eigenen Zulassung oder ein Angebot ohne deutsche Erlaubnis. Ein drittes gibt es nicht.

04 Was die Übertragung technisch ist

Live-Roulette ist ein Videobild eines echten Kessels in einem Studio, verbunden mit einer Oberfläche, über die Einsätze gesetzt werden. Der Zufall kommt aus dem physischen Kessel, nicht aus einem Programm.

Für die Rechnung ändert das nichts. Siebenunddreißig Fächer bleiben siebenunddreißig Fächer, und der Fehlbetrag von 2,70 Prozent hängt an der Anzahl der Fächer und der Auszahlungsquote, nicht daran, wer oder was den Wurf ausführt.

Der Unterschied liegt im Tempo. Eine Runde am übertragenen Tisch dauert deutlich länger als ein Spiel an einem Automaten, weshalb der Verlust pro Stunde bei gleichem Einsatz niedriger ausfällt – eine Folge der Taktung, nicht der Gestaltung.

05 Was in Deutschland stattdessen zulässig ist

Zulässig sind virtuelle Automatenspiele mit den bekannten Vorgaben: höchstens ein Euro Einsatz je Spiel, mindestens fünf Sekunden zwischen zwei Spielen, kein Automatikstart, keine Jackpots. Das ist eine andere Spielart, kein Ersatz für einen Tisch.

Manche Automatenspiele verwenden Roulettebilder als Ausstattung, ohne Roulette zu sein: das Ergebnis wird als Automatenspiel ermittelt. Wer einen Tisch sucht, findet dort die Optik, aber nicht das Spiel.

Für die eigene Einordnung bleibt die kurze Rechnung nützlich, weil sie unabhängig von jeder Rechtslage gilt. Zwei Prozentwerte reichen: 2,70 Prozent bei einer Null, rund 5,26 Prozent bei zwei. Alles andere an einem Roulettetisch ist Ausstattung.

06 Der Takt entscheidet mehr als der Hausvorteil

Ein Fehlbetrag von 2,70 Prozent klingt niedrig, und er ist es auch – je Einsatz. Die Größe, die zählt, ist der Fehlbetrag je Stunde, und der hängt davon ab, wie oft gesetzt wird.

Am übertragenen Tisch dauert eine Runde einschließlich Einsatzphase typischerweise etwa eine Minute, also grob sechzig Runden in der Stunde. Bei einem Euro je Runde sind das sechzig Euro Umsatz und rund 1,60 Euro erwarteter Fehlbetrag. Ein virtuelles Automatenspiel im Fünf-Sekunden-Takt erreicht bis zu siebenhundertzwanzig Spiele in derselben Stunde. Also gut das Zwölffache an Umsatz beim gleichen Einsatz je Spiel.

Damit kehrt sich die naheliegende Einschätzung um. Nicht die Spielart mit dem höheren Hausvorteil ist die teurere, sondern die mit dem höheren Takt. Wer zwei Angebote vergleichen will, multipliziert deshalb Fehlbetrag mit Runden je Stunde, und diese eine Multiplikation erklärt mehr als jede Angabe über Auszahlungsquoten.

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08 Häufige Fragen

Wie hoch ist der Hausvorteil beim Roulette?

Bei einem Kessel mit einer Null 2,70 Prozent je Einsatz, und zwar bei jeder Einsatzart. Bei zwei Nullen sind es rund 5,26 Prozent.

Ist Live-Roulette in Deutschland erlaubt?

Nicht über die bundesweite Erlaubnis, die nur virtuelle Automatenspiele und Online-Poker umfasst. Tischspiele bleiben Sache der Länder und sind dort nur in engen Grenzen zugelassen.

Hilft eine Verdopplungsstrategie?

Nein. Jeder einzelne Einsatz trägt denselben Fehlbetrag von 2,70 Prozent, also verschiebt eine Einsatzfolge nur die Verteilung der Ergebnisse, nicht den Erwartungswert.

Macht es einen Unterschied, ob ein echter Kessel geworfen wird?

Für die Rechnung nicht. Der Fehlbetrag hängt an der Anzahl der Fächer und der Auszahlungsquote. Unterschiedlich ist das Tempo: eine Runde am übertragenen Tisch dauert länger als ein Automatenspiel.