Walzen und Symbole
Was man sieht und was gerechnet wird
Eine Walze hat eine feste Zahl von Positionen, auf die sie anhalten kann, und jedes Symbol belegt davon unterschiedlich viele. Aus diesen beiden Angaben folgt jede Wahrscheinlichkeit am Gerät.
01 Positionen, nicht Bilder
Eine Walze ist ein Ring aus Feldern. Jedes Feld trägt ein Symbol, und die Walze kann nur auf einem Feld zum Stehen kommen – die Zwischenstellungen gibt es nicht. Die Zahl dieser Positionen ist die erste von zwei Größen, aus denen sich alles Weitere ergibt.
Die zweite Größe ist die Belegung: wie viele der Positionen dasselbe Symbol tragen. Ein Symbol, das auf vier von zwanzig Feldern steht, erscheint häufiger als eines, das nur auf einem steht. Häufige Symbole tragen kleine Beträge, seltene große. Das ist die ganze Bauidee eines Gewinnplans, in Feldern ausgedrückt.
Wichtig ist die Reihenfolge der Vorgänge: der Ausgang wird ermittelt, die Walzen stellen ihn dar. Die Walze ist eine Anzeige, kein Los-Zylinder, aus dem gezogen wird. Für die Rechnung ändert das nichts, solange die dargestellte Verteilung die gerechnete ist, und dafür gibt es die Zulassung.
02 Die Rechnung an einem Beispiel
Angenommen, ein Gerät hat drei Walzen mit je zwanzig Positionen. Dann gibt es zwanzig mal zwanzig mal zwanzig, also 8.000 mögliche Stellungen. Trägt jede Walze ein bestimmtes Symbol genau einmal, kommt dieses Symbol auf allen drei Walzen in genau einer dieser 8.000 Stellungen zusammen.
Steht dasselbe Symbol auf jeder Walze zweimal, sind es zwei mal zwei mal zwei, also acht Stellungen von 8.000. Die Aussicht steigt auf das Achtfache, obwohl sich das Bild nur wenig verändert hat. Diese Empfindlichkeit ist der Grund, warum das Abzählen der sichtbaren Symbole so leicht in die Irre führt.
Alle Zahlen dieses Abschnitts sind Annahmen zur Vorführung der Rechnung, nicht Angaben zu einem bestimmten Gerät. Die tatsächlichen Werte eines Geräts stehen in seinem Gewinnplan; die Rechnung dahinter ist immer diese.
| Symbol steht je Walze auf | Günstige Stellungen | Von 8.000 Stellungen |
|---|---|---|
| 1 Position | 1 | rund 0,013 % |
| 2 Positionen | 8 | 0,1 % |
| 3 Positionen | 27 | rund 0,34 % |
| 4 Positionen | 64 | 0,8 % |
03 Warum das Band täuscht
Sichtbar ist immer nur ein Ausschnitt des Rings, meist die angehaltene Position und ihre Nachbarn. Aus diesem Fenster auf die Belegung des ganzen Rings zu schließen, ist derselbe Fehler, wie aus drei Häusern auf eine Straße zu schließen.
Dazu kommt die Wirkung der Nachbarschaft. Ein seltenes Symbol, das unmittelbar über oder unter der Gewinnlinie zum Stehen kommt, erzeugt den Eindruck einer knapp verpassten Kombination. Der Eindruck ist stark, die Information ist keine: die Stellung stellt den ermittelten Ausgang dar, sie ist nicht dessen Ursache.
Der dritte Punkt betrifft die Zählung selbst. Wer die Symbole auf dem sichtbaren Band zählt und daraus eine Chance ableitet, unterstellt, dass jede Position gleich häufig als Halteposition gewählt wird. Ob das gilt, entscheidet nicht das Band, sondern die Ermittlung im Gerät, und die steht im Gewinnplan, nicht auf dem Papierstreifen.
04 Linien und Felder
Neben der Belegung entscheidet die Frage, welche Felder überhaupt zusammen gewertet werden. Eine Gewinnlinie ist eine festgelegte Folge von Positionen über die Walzen hinweg; nur was auf ihr liegt, zählt für die zugehörige Kombination.
Davon zu unterscheiden sind Symbole, die unabhängig von einer Linie gewertet werden. Sie zählen, wo immer sie liegen, und lösen typischerweise eine Runde ohne neuen Einsatz aus. Der Unterschied ist im Kapitel zu den Freispielen beschrieben und ist der häufigste Grund, warum ein Gewinn zunächst unerklärlich aussieht.
Mehr Linien bedeuten dabei nicht bessere Aussichten je Einsatz. Sie verteilen den Einsatz auf mehr Wege und verändern damit die Streuung: häufigere kleine Treffer, seltener ein großer. Am Erwartungswert je eingesetztem Euro ändert die Zahl der Linien nichts, solange der Gewinnplan gleich bleibt.
05 Vom Papierstreifen zum Bildschirm
Am mechanischen Gerät war die Belegung ein bedruckter Streifen auf einem Metallring, und die Zahl der Positionen war eine Frage des Umfangs. Wer mehr Symbole unterbringen wollte, brauchte eine größere Walze oder kleinere Bilder – die Bauform begrenzte die Rechnung.
Mit dem Bildschirm fällt diese Grenze weg. Die Zahl der Positionen ist dann eine Angabe im Gewinnplan und keine Eigenschaft eines Rings mehr; dargestellt wird weiterhin eine Walze, weil das Bild gelernt ist. Wie diese Ablösung verlief, steht in der Geschichte des Geldspielgeräts.
Für den Leser bleibt die Konsequenz dieselbe: die Frage ist nie, wie die Walze aussieht, sondern wie viele Positionen sie hat und wie sie belegt ist. Beides ist eine Angabe, keine Beobachtung.
06 Was man aus dem Bild nicht lesen kann
Aus dem angezeigten Bild folgt nicht, wie oft ein Symbol vorkommt, nicht wie nah eine Kombination war und nicht, was als nächstes kommt. Was man aus dem Bild liest, ist ausschließlich das Ergebnis der abgelaufenen Runde.
Wer wissen will, was ein Gerät rechnet, findet das im Gewinnplan und in den Grenzen, die die Verordnung dem Gerät setzt. Beides ist nachlesbar und beides hängt nicht davon ab, wie lange man hinsieht.
07 Was eine Angabe wert ist
Weil sich aus dem Bild nichts ableiten lässt, hängt alles an den Angaben, und Angaben sind unterschiedlich belastbar. Die Zahl der Positionen und die Belegung stehen im Gewinnplan und gehören damit zur geprüften Bauart.
Alles andere, was über ein bestimmtes Gerät im Umlauf ist, hat diesen Rang nicht: Beobachtungen aus einer Sitzung, Auskünfte eines Aufstellers, Zahlen aus einem Forum. Sie können richtig sein, aber sie sind nicht nachprüfbar, und für eine Rechnung ist das der entscheidende Unterschied.
08 Einordnung
Walzen und Symbole gehört zu den 6 Seiten dieses Kapitels über Technik und Zulassung des Geräts. Der Überblick steht im Kapitel Spielautomaten; die Mechaniken, die auf dem Gerät selbst ablaufen, sind dort einzeln verlinkt.
09 Weiterlesen
- Ermittlung. Der Zufallsgenerator
- Ohne Linie gewertet. Freispiele
- Herkunft der Bauform. Geschichte des Geldspielgeräts
10 Häufige Fragen
Wie viele Positionen hat eine Walze?
Das ist eine Angabe des jeweiligen Geräts und steht in seinem Gewinnplan. Die zwanzig Positionen in den Beispielen hier sind eine Annahme, um die Rechnung vorzuführen.
Kann ich die Symbole auf dem Band zählen und daraus die Chance ausrechnen?
Nur wenn jede Position gleich häufig als Halteposition gewählt wird und das ganze Band sichtbar ist. Beides ist in der Regel nicht gegeben, weshalb das Zählen zu falschen Werten führt.
War ein Symbol knapp über der Linie fast ein Gewinn?
Nein. Der Ausgang wird ermittelt und danach dargestellt; die Nachbarstellung entsteht aus der Darstellung, nicht aus einer beinahe getroffenen Kombination.
Sind mehr Gewinnlinien besser?
Sie verändern die Streuung, nicht den Erwartungswert je Einsatz. Mehr Linien heißt häufiger kleine Treffer und seltener ein großer, bei gleichem Gewinnplan.