Das schlechteste Videospiel
Was der Titel eigentlich misst
Der Titel wird meist an ein Spiel von 1982 vergeben, und zwar nicht, weil es das schwächste war. Es war das sichtbarste Scheitern zum ungünstigsten Zeitpunkt, und das ist ein anderer Maßstab.
01 Der Kandidat und seine Geschichte
Gemeint ist die Umsetzung eines sehr erfolgreichen Kinofilms für die verbreitetste Heimkonsole von 1982. Die Entwicklung wurde in wenigen Wochen durchgezogen, damit das Spiel zum Weihnachtsgeschäft fertig war, eine Frist, die für ein Spiel dieser Zeit außergewöhnlich kurz war.
Der Hersteller ließ deutlich mehr Kassetten produzieren, als er Käufer finden konnte. Der Überhang lag in Lagern, wurde zurückgenommen und landete schließlich auf einer Deponie in der Wüste des amerikanischen Südwestens.
Diese Deponie war jahrzehntelang eine Erzählung, deren Wahrheitsgehalt bestritten wurde. 2014 wurde an der Stelle gegraben, und es fanden sich Kassetten. Damit ist die Geschichte belegt, und der Fund hat den Rang des Spiels als schlechtestes eher gefestigt als geprüft.
- Sichtbarkeit des Scheiternsentscheidend
- Höhe der Erwartung vorhersehr stark
- Zeitpunkt im Marktstark
- Verkaufte Mengemittel
- Tatsächliche Spielqualitätgering
02 Was das Spiel tatsächlich verlangte
Das Spielprinzip war nicht unverständlich, sondern unvermittelt. Man steuert eine Figur über eine Landschaft mit Gruben, sammelt Teile eines Geräts ein und muss dabei einen Energievorrat im Blick behalten. Der Zusammenhang zwischen diesen Aufgaben wurde im Spiel nicht erklärt.
Erklärt wurde er in der Anleitung. Das ist der entscheidende Punkt: ein Heimspiel darf eine Anleitung haben, aber wenn die Grundregel ohne sie nicht auffindbar ist, wirkt das Spiel beliebig. Ein Spieler, der wiederholt in dieselbe Grube fällt, ohne zu wissen, warum das schlecht ist, hält das Spiel für defekt.
Technisch war es dabei nicht auffällig schwach. Es lief stabil und nutzte die Möglichkeiten der Konsole nicht schlechter als andere Titel derselben Zeit. Sein Problem war die Vermittlung, nicht die Ausführung.
03 Warum es diesen Rang trägt
Für den Titel schlechtestes Videospiel entscheidet nicht die Qualität, sondern der Abstand zwischen Erwartung und Ergebnis. Hier war die Erwartung so hoch, wie sie 1982 nur sein konnte: die bekannteste Filmmarke ihrer Zeit auf der verbreitetsten Konsole.
Dazu kam die Sichtbarkeit des Scheiterns. Ein Spiel, das sich schlecht verkauft, verschwindet still; hier gab es Lagerbestände, Rücknahmen und schließlich eine Deponie in der Wüste. Das ist ein Bild, das sich erzählt, und Bilder überdauern Bewertungen.
Technisch schwächere Spiele derselben Jahre sind deshalb vergessen. Niemand erwartete etwas von ihnen, und niemand musste sie entsorgen. Der Titel misst also Fallhöhe, nicht Bodenhöhe.
04 Der Markteinbruch von 1983 hatte andere Ursachen
Die verbreitete Erzählung macht dieses Spiel für den Einbruch des nordamerikanischen Marktes verantwortlich. Als Erklärung reicht das nicht: ein einzelner Titel bringt keinen Markt zum Stillstand, auch kein sehr überproduzierter.
Die Ursache liegt in der Struktur. Für die verbreiteten Konsolen konnte jeder produzieren, ohne Freigabe durch den Hersteller, und entsprechend erschienen sehr viele Spiele sehr unterschiedlicher Qualität gleichzeitig. Käufer verloren die Fähigkeit, im Regal Gutes von Schlechtem zu unterscheiden.
Sobald diese Unterscheidung nicht mehr möglich war, brach das Kaufargument Auswahl in sich zusammen: viel Auswahl ist nur wertvoll, wenn eine Mindestqualität erwartbar ist. Der Handel blieb auf der Ware sitzen, und die Preise fielen so weit, dass Produktion sich nicht mehr rechnete.
| Verbreitete Erklärung | Belastbarer Anteil |
|---|---|
| Ein Spiel ruinierte den Markt | gering – es war ein Symptom, kein Auslöser |
| Überproduktion einzelner Titel | hoch – betraf mehrere Hersteller |
| Keine Qualitätskontrolle der Plattform | hoch – der eigentliche Strukturfehler |
| Käufer konnten Qualität nicht erkennen | hoch – hier kippte das Kaufargument |
05 Was die Branche daraus übernommen hat
Die Antwort der folgenden Generation war die Freigabekontrolle: Hersteller entschieden, was auf ihrer Plattform erscheinen durfte, und banden das an technische und inhaltliche Prüfungen. Dieses Prinzip trägt bis heute und ist der Grund, warum Plattformen geschlossene Läden betreiben.
Die zweite Übernahme betrifft die Frist. Ein Spiel, das an ein Kinodatum oder ein Weihnachtsgeschäft gebunden ist, hat einen Termin, der sich nicht verschiebt, und einen Umfang, der sich verschieben muss. Diese Spannung ist nicht verschwunden, sie ist nur besser bekannt.
Und die dritte: dass eine starke Marke ein Spiel nicht trägt. Der Rang, um den es auf dieser Seite geht, ist der teuerste Beleg dafür. Er wurde vergeben, weil so viele so viel erwarteten.
06 Die gedruckte Anleitung gehörte damals zum Spiel
Der Vorwurf, die Grundregel sei nur in der Anleitung zu finden gewesen, braucht eine Einordnung: bei Heimspielen dieser Zeit war das die Regel, nicht die Ausnahme. Eine Steckmodul-Konsole hatte keinen Speicher für erklärende Bildschirmtexte und oft keine Schrift, mit der man sie hätte darstellen können.
Deshalb erschienen Spiele mit Heften, die Hintergrund, Ziel und Steuerung beschrieben, und Käufer lasen sie. Das Problem des hier besprochenen Titels war nicht die Existenz der Anleitung, sondern dass die Regel im Spiel nicht wiederauffindbar war: nichts auf dem Bildschirm erinnerte daran, wozu die Gruben da waren.
Die Lehre, die die Branche daraus zog, betrifft genau diese Unterscheidung. Ein Spiel darf beim ersten Mal erklärt werden, muss seine Regel aber im Verlauf selbst zeigen. Was heute als Einführungsphase eingebaut ist, ersetzt nicht das Handbuch – es ersetzt das Erinnern an das Handbuch.
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08 Häufige Fragen
Welches gilt als schlechtestes Videospiel?
Meist die Umsetzung eines sehr erfolgreichen Kinofilms von 1982 für die damals verbreitetste Heimkonsole, in wenigen Wochen entwickelt und stark überproduziert.
War es technisch besonders schlecht?
Nein. Es lief stabil und nutzte die Konsole nicht schlechter als andere Titel der Zeit. Sein Problem war, dass die Grundregel ohne die gedruckte Anleitung nicht auffindbar war.
Wurden die Kassetten wirklich vergraben?
Ja. Die Geschichte war jahrzehntelang bestritten; 2014 wurde an der Stelle gegraben und es fanden sich Kassetten.
Hat dieses Spiel den Markteinbruch von 1983 verursacht?
Nein, es war ein Symptom. Ursache war die fehlende Qualitätskontrolle der Plattformen: es erschien sehr viel gleichzeitig, Käufer konnten Gutes nicht mehr von Schlechtem unterscheiden, und damit brach das Kaufargument Auswahl zusammen.